Benötige ich für die Montage einer Solaranlage einen Statiker?

Solaranlage nicht ohne Statiker installieren

Nach­hal­ti­ge Ener­gie­ge­win­nung ist für Haus­be­sit­zer ein inter­es­san­ter Fak­tor. Umwelt­freund­li­che Strah­lung der Son­ne kann durch eine ent­spre­chen­de Solar­an­la­ge in Wär­me oder Strom für die eige­nen vier Wän­de umge­wan­delt wer­den. Dadurch kön­nen Sie Strom- und Gas­kos­ten lang­fris­tig ein­spa­ren. Die Ren­ta­bi­li­tät sol­cher Solar- und Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen ist unter Umstän­den bereits nach weni­gen Jah­ren der Nut­zung erbracht. Da die Anla­gen meist auf dem Haus­dach mon­tiert wer­den, stel­len sich Haus­ei­gen­tü­mer zurecht die Fra­ge, ob die Dach­kon­struk­ti­on die mit der Mon­ta­ge ver­bun­de­ne Mehr­last ohne wei­te­res tra­gen kann. Um das zu über­prü­fen, kön­nen Sie im Vor­hin­ein ein Sta­ti­ker mit der Berech­nung beauf­tra­gen.

Wie ist der Nachweis über die Traglast eines Daches geregelt?

Die DIN EN 62446 regelt unter dem Abschnitt 4.6, dass bei der Mon­ta­ge einer Anla­ge ein Daten­blatt über die Unter­kon­struk­ti­on der Anla­ge vor­han­den sein muss. Die­se wird als Zwi­schen­kom­po­nen­te zwi­schen Dach und Anla­ge mon­tiert. Muss die Unter­kon­struk­ti­on son­der­ge­fer­tigt wer­den, ist ein wei­te­res Daten­blatt nötig. Die­ses Doku­ment darf aller­dings nicht mit dem Stand­si­cher­heits­nach­weis ver­wech­selt wer­den. Aus die­sem geht her­vor, dass laut Berech­nun­gen die Dach­ge­ge­ben­hei­ten (also die Dach­nei­gung), das Zusatz­ge­wicht der Anla­ge und die äuße­ren Ein­wir­kun­gen durch Wind, Schnee und Tem­pe­ra­tur­schwan­kun­gen kei­nen Scha­den am Haus ver­ur­sa­chen kön­nen. Soll­te es näm­lich doch zu einem Scha­dens­fall kom­men, ver­langt der Sach­ver­stän­di­ge nach dem Stand­si­cher­heits­nach­weis, um die Schuld- und Haf­tungs­fra­ge zu klä­ren.

Wer ist für das Konsultieren eines Statikers bei der Bestellung einer Solaranlage verantwortlich?

Im Grun­de genom­men ist es Ihnen, als Bau­herr, selbst über­las­sen, ob Sie im Vor­feld einen Sta­ti­ker beauf­tra­gen. Aller­dings bie­ten zahl­rei­che seriö­se Unter­neh­men bei der Bestel­lung einer Solar­an­la­ge (oder Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge) eine Sta­tik­prü­fung an, die im Kom­plett­preis bereits mit ent­hal­ten ist. Schließ­lich ist es im Inter­es­se der Unter­neh­men, dass der Kun­de mit dem Pro­dukt auch auf lan­ge Sicht zufrie­den ist und die Mon­ta­ge rei­bungs­los über die Büh­ne geht. Uner­wünsch­te Zwi­schen­fäl­le auf­grund einer feh­len­den Prü­fung der Dach­kon­struk­ti­on kön­nen weder das Unter­neh­men, noch der Bau­herr selbst gebrau­chen.

Ist die Berechnung eines Daches durch den Statiker vor der Montage ein Muss?

Es besteht zwar kei­ne Pflicht, einen Sta­ti­ker für die Mon­ta­ge einer Solar­an­la­ge oder Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge mit in die Pla­nung ein­zu­be­zie­hen, den­noch emp­fiehlt sich eine Prü­fung eines Exper­ten im Vor­feld. Gene­rell hal­ten die meis­ten Schräg­dä­cher die Mehr­be­las­tung durch die Anla­ge pro­blem­los aus. Auch bei Flach­dä­chern soll­te die Anbrin­gung grund­sätz­lich kein Pro­blem dar­stel­len. Aller­dings ist eine Prü­fung gera­de im Hin­blick auf die Fak­to­ren Wet­ter und Traglast des Daches rat­sam. Die Unter­kon­struk­ti­on und die dazu gehö­ri­gen Mate­ria­li­en sind so zu wäh­len, dass Anla­ge und Dach auch bei extre­men Wet­ter­ver­hält­nis­sen kei­nen Scha­den neh­men.

Wird auf die Über­prü­fung durch einen Sta­ti­ker ver­zich­tet, kann das Dach nach der Mon­ta­ge einer Solar- oder Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge im schlimms­ten Fall ein­sturz­ge­fähr­det sein. Das wie­der­um wür­de einen enor­men Mehr­kos­ten­auf­wand für die Instand­set­zung bedeu­ten. Die eigent­lich ein­ge­plan­te Kos­ten­er­spar­nis durch die PV- oder Solar­an­la­ge wäre damit hin­fäl­lig. Auch fal­sche Sta­tik­un­ter­la­gen kön­nen Ursa­chen für Schä­den sein: die­se beim Bau gefer­tig­ten Unter­la­gen die­nen als Anhalts­punkt für die Berech­nung des Sta­ti­kers, ob die Trag­kraft des Daches für die Anla­ge aus­reicht.

Welche Faktoren spielen für die Montage einer Solaranlage eine Rolle?

Grund­sätz­lich hält sich der Sta­ti­ker an die DIN 1055 und die DIN EN 1991 (Euro­code 1) bei der für die Instal­la­ti­on einer Solar- oder Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge rele­van­ten Berech­nung. Dabei wer­den die stän­di­gen Las­ten bzw. Eigen­las­ten eben­so berück­sich­tigt wie die Zusatz­las­ten durch Wind und Schnee.

Zunächst legt der Sta­ti­ker bei der Über­prü­fung sein Haupt­au­gen­merk auf die Dach­form. Nach die­ser rich­tet sich das Gewicht der Zusatz­last, die das Dach aus­hält. Bei einem Schräg­dach rech­net man mit 16 bis 24 kg pro m², bei Flach­dä­chern vari­iert der Wert je nach Dach­durch­drin­gung zwi­schen 7 bis 120 kg Zusatz­last pro m². Eben­so wird die zu instal­lie­ren­de Anla­ge auf das Gewicht hin über­prüft.

Ein wei­te­rer Fak­tor ist der Wind. Man unter­schei­det zwi­schen Wind­druck und Wind­sog, also die bei­den per­ma­nen­ten Wind­ein­flüs­se, die auf das Dach ein­wir­ken. Dabei spielt sowohl die Gebäu­de­hö­he bei der Berech­nung eine Rol­le als auch die Wind­zo­ne, in der sich das Gebäu­de befin­det. Deutsch­land ist in vier Wind­zo­nen ein­ge­teilt. Hier­bei wird unter­teilt, ob sich der Bau im Bin­nen­land, an der Nord­see­küs­te, Ost­see­küs­te oder auf einer Insel der Nord- oder Ost­see befin­det. Des wei­te­ren ist auch hier die Gebäu­de­hö­he bei der Berech­nung des Geschwin­dig­keits­drucks des Win­des zu berück­sich­ti­gen.

Schluss­end­lich fließt der Fak­tor Schnee in die Berech­nung mit ein. Sowohl die Modul­nei­gung, als auch die Höhe des Pro­jekt­stand­or­tes und die Schnee­last­zo­ne sind hier­bei von Inter­es­se. Deutsch­land ist in 3 Schnee­last­zo­nen geglie­dert, die für die Ermitt­lung der Sta­tik von Belan­gen sind. Aller­dings rich­tet sich die Berech­nung mit Hil­fe der Zonen nur bis zu 1.500 Höhen­me­tern. Liegt das Gebäu­de höher, muss die Schnee­last bei der ört­li­chen Behör­de erfragt wer­den.

Welche Unterlagen benötigt der Statiker?

Neben den Doku­men­ten über die Eigen­schaf­ten der zu mon­tie­ren­den Anla­ge braucht der Sta­ti­ker auch die sta­ti­schen Berech­nun­gen des Daches. Die­se wer­den all­ge­mein hin beim Bau eines Hau­ses durch den zustän­di­gen Sta­ti­ker oder Archi­tek­ten bereit gestellt. Bei einem älte­ren Bau, des­sen Unter­la­gen dem Bau­her­ren nicht vor­lie­gen, kann beim zustän­di­gen Bau­amt nach­ge­fragt wer­den. Aller­dings ste­hen die Bau­her­ren selbst immer häu­fi­ger eigen­ver­ant­wort­lich in der Pflicht für die kor­rek­te Archi­vie­rung ihrer rele­van­ten Unter­la­gen. Soll­ten Ihnen sowie dem Bau­amt ent­spre­chen­de Doku­men­te glei­cher­ma­ßen nicht mehr vor­lie­gen, muss eine erneu­te Prü­fung des Bau­zu­stan­des sowie den Gege­ben­hei­ten des Daches mit neu­er sta­ti­scher Berech­nung durch einen geprüf­ten Sta­ti­ker erfol­gen.

Entstehen durch die Beauftragung eines Statikers Mehrkosten?

Grund­sätz­lich ist ein Sta­ti­ker bei dem Vor­ha­ben, eine Solar- oder Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge auf dem Dach zu plat­zie­ren, nicht zwin­gend erfor­der­lich. Jedoch allein schon aus ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Grün­den ist es anzu­ra­ten. Meist ist die Sta­ti­kerleis­tung bei der Mon­ta­ge einer Anla­ge bereits im Preis ent­hal­ten. Ansons­ten kön­nen die Kos­ten für den Sta­ti­ker spä­ter evtl. steu­er­lich wie­der als Vor­keh­rungs­maß­nah­me gel­tend gemacht wer­den.

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