Die gesetz­li­chen Grund­la­gen für die Hono­rar­ver­rech­nung von Archi­tek­ten- und Inge­nieur­leis­tun­gen: Zusam­men­fas­sung und Über­sicht

HOAI

Der Bun­des­rat hat am 07. Juni 2013 in einer 7. Novel­lie­rung die „Ver­ord­nung über die Hono­ra­re für Archi­tek­ten- und Inge­nieur­leis­tun­gen (HOAI)“ abge­seg­net. Seit 17. Juli 2013 ist sie offi­zi­ell in Kraft. Die­se Ver­ord­nung ist bun­des­weit gül­tig, hat Geset­zes­cha­rak­ter und gibt den ver­bind­li­chen Rah­men für Gebüh­ren und Leis­tungs­ver­rech­nung vor.

Lesen Sie in die­sem Arti­kel die wesent­li­chen Begrif­fe der HOAI. So kön­nen Sie sich schnell einen Über­blick über mög­li­che Hono­ra­re und Kos­ten für die Leis­tung von Archi­tek­ten und Inge­nieu­ren ver­schaf­fen.

Das Wich­tigs­te in aller Kür­ze:
• die HOAI regelt die Hono­ra­re für Archi­tek­ten und Inge­nieur­leis­tun­gen und sichert Bau­her­ren die Qua­li­tät der Pla­nung, Aus­schrei­bung, Ver­ga­be und Objekt-Über­wa­chung
• die HOAI hat Geset­zes­cha­rak­ter, d. h. die fest­ge­leg­ten Hono­ra­re sind ein­zu­kla­gen
• anre­chen­ba­re Kos­ten, Hono­rar­zo­nen und Leis­tungs­pha­sen sind die bestim­men­den Para­me­ter
• die HOAI regelt auch die Neben­kos­ten

Die Kos­ten unter­schei­den sich nur nach oben genann­ten Fak­to­ren, nicht nach einem häu­fig in der Bran­che ange­wen­de­ten Nord-Süd-Gefäl­le. D. h. bei uns, als Bau­in­ge­nieu­re mit 15 Jah­ren Berufs­er­fah­rung, gibt es bun­des­weit ein­heit­li­che Prei­se.



Para­me­ter und Anläs­se für die Hono­rar­ord­nung

Bereits im Jahr 2009 wird damit begon­nen, die unter­schied­li­chen Hono­rar­sät­ze der Archi­tek­ten und Inge­nieu­re zu ver­ein­heit­li­chen. So ist eine Hono­rar-Basis ent­stan­den, die wert­mä­ßig für bei­de Sei­ten (Kun­de und Leis­tungs­er­brin­ger) ver­tret­bar ist. Die Ver­ord­nung lehnt sich an Geset­ze wie dem Rechts­an­walts­ver­gü­tungs­ge­setz (RVG) oder dem Notar­kos­ten­ge­setz (GNotKG) an. Mit dem 17. Juli 2013 ist die aktu­ell gül­ti­ge Hono­rar­ord­nung in Kraft getre­ten.

Um mög­li­ches Preis­dum­ping zu unter­bin­den gibt die HOAI einen Rah­men zwi­schen Min­dest- und Höchst­satz vor. Wett­be­werb fin­det nicht mehr auf der Preis‑, son­dern der Qua­li­täts­ebe­ne statt. Inner­halb die­ses Kor­ri­dors ist die Leis­tung, die für den Auf­trag­ge­ber erbracht wur­de, ver­trag­lich gere­gelt. Die kon­kre­te Aus­ge­stal­tung (Stun­den­ho­no­rar, Pau­schal­ver­rech­nung, etc.) obliegt den Ver­trags­par­tei­en.

Die Para­me­ter, die sich grund­le­gend auf die Höhe des Hono­rars aus­wir­ken, sind anre­chen­ba­re Kos­ten, Hono­rar­zo­nen und Leis­tungs­pha­sen:

1. Anre­chen­ba­re Kos­ten:

Bei den anre­chen­ba­ren Kos­ten nennt die Ver­ord­nung fol­gen­de Anlass­fäl­le, die sich auf das Hono­rar aus­wir­ken. Gere­gelt sind die­se Kos­ten im § 33 Beson­de­re Grund­la­ge des Hono­rars (Teil 3, Abschnitt 1 – Gebäu­de und Innen­räu­me) der HOAI:
• die Kos­ten der Bau­kon­struk­ti­on (§ 33, Abs. 1 HOAI)
• die Kos­ten der tech­ni­schen Anla­gen und der tech­ni­schen Aus­rüs­tung (§ 33 Abs. 1, § 53 Abs. 2, HOAI). Damit sind jene Ele­men­te der Maschi­nen­tech­nik defi­niert, die der Zweck­be­stim­mung des Bau­werks die­nen (soweit sie vom Auf­trag­neh­mer weder fach­lich geplant noch in der Aus­füh­rung fach­lich zu über­wa­chen sind).
• Nicht anre­chen­bar sind Kos­ten für nicht öffent­li­che Erschlie­ßung, für Leis­tun­gen im Zusam­men­hang mit Aus­stat­tung und mit Kunst­wer­ken, wenn der Auf­trag­neh­mer weder in Pla­nung, Beschaf­fung, Ein­bau und Aus­füh­rung fach­lich invol­viert ist. Im Gebäu­de­be­reich sind die anre­chen­ba­ren Kos­ten in der DIN 276–1:2008–12 defi­niert.
• Kos­ten für Her­stel­lung, Umbau, Moder­ni­sie­rung, Instand­hal­tung und ‑set­zung und allen Auf­wen­dun­gen, die damit zusam­men­hän­gen sind anre­chen­bar (§ 4 HOAI). Als Grund­la­ge wer­den orts­üb­li­che Prei­se ange­nom­men oder die Kos­ten auf Basis DIN 276–1:2008–12 ermit­telt. Dies trifft im spe­zi­el­len zu, wenn der Auf­trag­ge­ber …
o … selbst Lie­fe­run­gen oder Leis­tun­gen über­nimmt
o … von ande­ren Unter­neh­men oder Lie­fe­ran­ten, die an der Bau­aus­füh­rung betei­ligt sind, Ver­güns­ti­gun­gen erhält, die nicht üblich sind
o … Gegen­rech­nung für Lie­fe­run­gen oder Leis­tun­gen akzep­tiert
o … Bau­stof­fe, Bau­tei­le, Mate­ria­li­en ver­wen­det, die bereits vor­han­den sind, vor­be­schafft wur­den
• Bau­sub­stanz, die mit­zu­ver­ar­bei­ten ist, ist wert­mä­ßig auf das Objekt bezo­gen zu ermit­teln und schrift­lich mit dem Auf­trag­ge­ber zu ver­ein­ba­ren. Sie ist Teil des Objek­tes, das zu pla­nen ist. Damit sind die Kos­ten ange­mes­sen zu berück­sich­ti­gen.
• Die jewei­li­ge Umsatz­steu­er ist kein Teil der anre­chen­ba­ren Kos­ten.

2. Die gel­ten­de Hono­rar­zo­ne

Die Hono­rar­zo­nen bezie­hen sich auf den Pla­nungs­auf­wand bei Gebäu­den und raum­bil­den­den Maß­nah­men. Die HOAI kennt ver­schie­de­ne Hono­rar­zo­nen, die in den §§ 5 und 35 gere­gelt sind:
• Objekt und Trag­werks­pla­nung: 5 Zonen von sehr gerin­ger bis sehr hoher Pla­nungs­an­for­de­rung
• Flä­chen­pla­nung und Pla­nung der tech­ni­schen Anla­gen: 3 Zonen von gerin­ger bis hoher Pla­nungs­an­for­de­rung

Die Hono­rar­zo­nen haben bei gericht­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen hohe Bedeu­tung, da damit eine objek­ti­ve Kos­ten­er­mitt­lung mög­lich ist, die sich einer all­fäl­li­gen ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung zwi­schen den Ver­trags­par­tei­en ent­zieht. Die Bewer­tungs­merk­ma­le, die eine Ein­ord­nung in die Hono­rar­zo­ne ermög­licht, sind Grund­leis­tun­gen …
• … für das Gebäu­de:
o wie auf­wän­dig ist die Ein­bin­dung in die Umge­bung
o wie vie­le Funk­ti­ons­be­rei­che sind zu berück­sich­ti­gen
o wie hoch sind die gestal­te­ri­schen Her­aus­for­de­run­gen
o wel­che kon­struk­ti­ven Anfor­de­run­gen sind zu berück­sich­ti­gen
o wie ist die tech­ni­sche Aus­rüs­tung zu kon­fi­gu­rie­ren
o wel­che Aus­bau­stu­fe ist zu errei­chen
• … für die Innen­räu­me:
o Funk­ti­ons­be­rei­che und deren Anzahl
o Licht­ge­stal­tung
o Raum­zu­ord­nung und ‑pro­por­ti­on
o Tech­nik
o Far­ben und Mate­ria­li­en
o Kon­struk­ti­ons-Details

3. Die Leis­tungs­pha­sen

Jedes Bau­vor­ha­ben ist typi­scher­wei­se in ver­schie­de­ne Pha­sen zu glie­dern. Im § 34 nennt die HOAI neun Pha­sen, die für die Berech­nung des Hono­rars ton­an­ge­bend sind. Die ein­zel­nen Pha­sen sind mit Pro­zent­punk­ten zu bewer­ten. Zusam­men­ge­rech­net erge­ben die­se 100 % des ange­nom­me­nen Archi­tek­ten­ho­no­rars. Die ein­zel­nen Pha­sen und ihre aktu­el­len Pro­zent­sät­ze sind (G = Gebäu­de, I = Innen­räu­me):

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  3. Ent­wurfs­pla­nung: 15 % (G, I)
  4. Geneh­mi­gungs­pla­nung: G = 35 % , I = 2 %
  5. Aus­füh­rungs­pla­nung: G = 2 %, I = 30 %
  6. Vor­be­rei­tung der Ver­ga­be: G = 10 %, I = 7 %
  7. Mit­wir­kung bei der Ver­ga­be: G = 4 %, I = 3 %
  8. Objekt- und Bau­über­wa­chung, Doku­men­ta­ti­on: 32 % (G, I)
  9. Objekt­be­treu­ung: 2 % (G, I)

Kos­ten­fak­to­ren, die zusätz­lich zum Tra­gen kom­men

In den Bestim­mun­gen der Hono­rar­ord­nung fin­den geson­der­te Ver­ein­ba­run­gen, die nicht in den Leis­tungs­bil­dern der ein­zel­nen Pha­sen fest­ge­legt sind, kei­ne Anwen­dung. Sie wer­den als beson­de­re Leis­tun­gen, dem ermit­tel­ten Hono­rar zuge­rech­net und sind geson­dert zu ver­ein­ba­ren. Laut § 632 Abs. 2 BGB kön­nen sich die Ver­trags­par­tei­en auf „übli­che Ver­gü­tung“ beru­fen, wenn kei­ne Eini­gung über die Kos­ten erreicht wird.

Als Neben­kos­ten, die in §§ 12, 14 HOAI gere­gelt sind, gel­ten bspw. Fahrt­kos­ten, Ver­sand­kos­ten, Bau­stel­len-Ein­rich­tung, Kom­mu­ni­ka­ti­ons-Kos­ten, etc. Sie kön­nen das Hono­rar beträcht­lich erhö­hen und bedür­fen einer schrift­li­chen Ver­ein­ba­rung.

Zusam­men­fas­sung Hono­rar­ord­nung für Archi­tek­ten und Inge­nieu­re

Die Ver­ord­nung ermög­licht die Ermitt­lung und Berech­nung eines objek­ti­ven und ange­mes­se­nen Hono­rars für den Archi­tek­ten bzw. den Bau­in­ge­nieur. Hin­ter­grund und Basis bleibt die ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung zwi­schen Auf­trag­neh­mer und Auf­trag­ge­ber. Solan­ge die Kos­ten im Rah­men der HOAI 2013 blei­ben, besteht bei­der­sei­tig kein Hand­lungs­be­darf.

Die recht­li­che Grund­la­ge für die Zusam­men­ar­beit ist im § 650p, Abs. 1 BGB fest­ge­hal­ten. Dar­in wird der Unter­neh­mer (Auf­trag­neh­mer) ver­pflich­tet, alle Leis­tun­gen zu erbrin­gen, die für Pla­nung und Aus­füh­rung eines Bau­wer­kes erfor­der­lich sind, um die vor­ge­ge­be­nen Zie­le zu errei­chen.

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