Haftpflicht­versicherung: Für Sta­ti­ker Pflicht?

Haftpflichtversicherung

Braucht ein Sta­ti­ker eine Haft­pflichtver­si­che­rung? Was sind Sach- und Per­so­nen­schä­den? Deckt die Berufs­haft­pflicht Unfäl­le im Büro ab? Das The­ma Sta­ti­ker und Ver­si­che­run­gen ist, zuge­ge­ben, kom­pli­ziert – aller­dings auch nicht weni­ger wich­tig! Des­halb sind hier alle rele­van­ten Defi­ni­tio­nen, Vor­schrif­ten und Infor­ma­tio­nen zusam­men­ge­fasst.


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Berufs­haft­pflicht, Betriebs­haft­pflicht, Büro­haft­pflicht für Sta­ti­ker – wich­ti­ge Defi­ni­tio­nen

Im Bereich der Ver­si­che­run­gen gibt es ver­schie­de­ne Tari­fe, die für Sta­ti­ker sinn­voll sind. Dazu gehö­ren die genann­ten Vari­an­ten der Berufs­haft­pflicht und Betriebs­stät­ten­haft­pflicht (auch Büro­haft­pflicht). Zunächst ist es wich­tig, zu klä­ren, was die jewei­li­gen Tari­fe abde­cken.

Berufs­haft­pflicht: Die Berufs­haft­pflicht für Sta­ti­ker haf­tet, ver­ein­facht gesagt, für beruf­li­che Feh­ler. Was heißt das im Fall eines Trag­werks­pla­ners? Ein Bei­spiel: Durch ein fal­sches Gut­ach­ten oder eine feh­ler­haf­te Berech­nung ent­ste­hen Schä­den am Bau­werk. Soll­te die Schuld tat­säch­lich beim Sta­ti­ker lie­gen, kann der Bau­herr Scha­den­er­satz for­dern. Schlimms­ten­falls kön­nen sogar Per­so­nen zu Scha­den kom­men, wenn ein Haus ein­stürzt. Letz­te­res ist zum Glück unwahr­schein­lich, aber eine falsch dimen­sio­nier­te Schnee­last und ein ein­ge­drück­tes Dach in einem schnee­rei­chen Win­ter sind durch­aus schon vor­ge­kom­men. In jedem Fall greift nun die Berufs­haft­pflicht, die ent­stan­de­ne Schä­den bis zu einer ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Sum­me regu­liert.

Betriebs­stät­ten­haft­pflicht: Die Betriebs­haft­pflicht für Sta­ti­ker (und ande­re Selbst­stän­di­ge oder Frei­be­ruf­ler) wird auch als Büro­haft­pflicht­ver­si­che­rung bezeich­net. Der Name gibt bereits Aus­kunft über den Ver­si­che­rungs­schutz: Abge­deckt sind Schä­den, die an Per­so­nen (Drit­ten) oder Sachen in der Betriebs­stät­te (im Büro) ent­ste­hen. Bei­spie­le aus der Pra­xis: Ein Bau­herr ist zu Besuch, rutscht auf dem frisch gewisch­ten Boden aus und ver­letzt sich dabei. Die Kaf­fee­ma­schi­ne geht über und hin­ter­lässt Was­ser­schä­den im Par­kett. In bei­den Fäl­len kann die Betriebs­haft­pflicht grei­fen.

Es zeigt sich, dass Betriebs­stät­ten- und Berufs­haft­pflicht in unter­schied­li­chen Fäl­len grei­fen. Ins­be­son­de­re deckt die Büro­ver­si­che­rung kei­ne Schä­den ab, die durch feh­ler­haf­te Arbei­ten am Bau­ob­jekt ent­stan­den sind! Anders­her­um gibt es jedoch Ver­trä­ge zur Berufs­haft­pflicht, die eine Art Büro­ver­si­che­rung inklu­die­ren. Sta­ti­ker soll­ten in jedem Fall auf einen umfas­sen­den Ver­si­che­rungs­schutz ach­ten.


Hin­weis: Die land­läu­fig als Betriebs­haft­pflicht bezeich­ne­te Haft­pflicht­ver­si­che­rung ver­eint i. d. R. die Berufs- als auch die Betriebs­stät­ten­haft­pflicht.


Das Klein­ge­druck­te ent­schei­det

Im vor­an­ge­gan­ge­nen Absatz wur­den eini­ge Bei­spie­le genannt. Greift die Ver­si­che­rung hier in jedem Fall? Und wel­che wei­te­ren Risi­ken sind abge­deckt? Das ent­schei­det sich (lei­der) immer im Ein­zel­fall. Wie bei allen Poli­cen gilt, dass der indi­vi­du­ell mit dem Ver­si­che­rer getrof­fe­ne Ver­trag aus­schlag­ge­bend ist. Mit ande­ren Wor­ten: das Klein­ge­druck­te. Hier fin­den sich alle spe­zi­fi­schen Rege­lun­gen, wann und in wel­cher Höhe der Anbie­ter für Schä­den auf­kommt. Ein grund­sätz­lich wich­ti­ges Detail dabei ist die Deckungs­sum­me.

Deckungs­sum­me bei Haft­pflicht­ver­si­che­rung für Sta­ti­ker

Was pas­siert, wenn ein Trag­werks­pla­ner Feh­ler macht? Schlimms­ten­falls ist das Gebäu­de nicht nutz­bar und es kom­men auf den Sta­ti­ker Kos­ten in gro­ßer Höhe zu. Folg­lich emp­feh­len Inge­nieur­kam­mern und ‑ver­bän­de ver­gleichs­wei­se hohe Sum­men, bei­spiels­wei­se 250.000 Euro für Sach- und Ver­mö­gens­schä­den und 1,5 Mil­lio­nen Euro für Per­so­nen­schä­den. Dabei ist jedoch ein ganz wich­ti­ger Grund­satz zu beden­ken: Wie hoch sind die gesam­ten Roh­bau­kos­ten? Ein Ein­fa­mi­li­en­haus ist zum Bei­spiel güns­ti­ger als ein Mehr­fa­mi­li­en­haus, das wie­der­um weni­ger kos­tet als eine Lager­hal­le. Folg­lich soll­ten Bau­in­ge­nieu­re, die sich auf bestimm­te Bau­vor­ha­ben spe­zia­li­siert haben, ange­pass­te Ver­trä­ge wäh­len.


Hin­weis: Zu beach­ten ist außer­dem, ob es eine Jah­res­höchst­ent­schä­di­gungs­leis­tung gibt und wie hoch die­se aus­fällt.


Jah­res­ver­trag und pro­jekt­be­zo­ge­ne Tari­fe

Beim Abschluss einer Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung haben Sta­ti­ker zwei Mög­lich­kei­ten: Tari­fe für alle Arbei­ten inner­halb eines Jah­res und Ver­si­che­run­gen für spe­zi­fi­sche Pro­jek­te. Die Jah­res­haft­pflicht­ver­si­che­rung wäh­len die meis­ten Büros, wenn sie in der Regel kon­ti­nu­ier­lich ähn­li­che Bau­vor­ha­ben betreu­en. Kommt hin­ge­gen ein beson­de­rer Auf­trag hin­zu, etwa ein Kin­der­gar­ten vor Ort, kann es sinn­voll sein, einen pro­jekt­be­zo­ge­nen Ver­trag zusätz­lich abzu­schlie­ßen. Die­ser ent­hält dann zum Bei­spiel eine höhe­re Deckungs­sum­me. Bau­in­ge­nieu­re, die grund­sätz­lich sehr unter­schied­li­che Berech­nun­gen anfer­ti­gen, set­zen auch prin­zi­pi­ell auf die­ses Modell.


Hin­weis: Auch eine Kom­bi­na­ti­on ist mög­lich. Eine »Jahres«-Versicherung kann Objekt­be­zo­gen um ein­zel­ne Pro­jek­te ergänzt wer­den.


Ist die Haft­pflicht­ver­si­che­rung für Sta­ti­ker gesetz­lich vor­ge­schrie­ben?

Wer tat­säch­lich einen Feh­ler begeht, der vor Gericht nach­ge­wie­sen wird, muss als Sta­ti­ker unter Umstän­den Schä­den von meh­re­ren Zehn­tau­send oder Hun­dert­tau­send Euro erset­zen. Wenn das nicht in die Insol­venz führt, dann zumin­dest zu sehr erheb­li­chen Ein­bu­ßen. Das heißt: Eine Haft­pflicht­ver­si­che­rung ist drin­gend emp­feh­lens­wert. Doch ist sie auch Pflicht? Im All­ge­mei­nen: Ja. Genaue­res dazu regeln Vor­ga­ben aus den fol­gen­den Ver­ord­nun­gen, Geset­zen und Rege­lun­gen:

  • Lan­des­bau­ord­nung, zum Bei­spiel in Bezug auf den Stand­si­cher­heits­nach­weis
  • Die Berufs­ord­nung der Inge­nieur­kam­mer des jewei­li­gen Lan­des
  • Fer­ner auch das Archi­tek­ten­ge­setz

Was heißt das im Detail? Die IK-Bau NRW schreibt zum Bei­spiel eine Deckungs­sum­me von min­des­tens 1,5 Mil­lio­nen Euro für Per­so­nen- und 250.000 Euro für Sach- und Ver­mö­gens­schä­den vor.


Wich­ti­ger Hin­weis: Das bezieht sich auf den jewei­li­gen Scha­dens­fall und nicht auf jähr­li­che Höchst­sum­men.


Auch in ande­ren Bun­des­län­dern bestehen ent­spre­chen­de Ver­pflich­tun­gen. Wenn ein Inge­nieur die­sen Vor­ga­ben nicht nach­kommt, dro­hen nicht nur pri­vat­recht­li­che Kon­se­quen­zen im Fall eines Scha­dens. Zusätz­lich dür­fen die Kam­mern eine Geld­bu­ße ver­hän­gen. Dar­aus resul­tie­rend, ist jedes Mit­glied der Inge­nieur­kam­mer ver­pflich­tet, einen ent­spre­chen­den Ver­si­che­rungs­nach­weis zu erbrin­gen.

Güns­ti­ge Tari­fe für Sta­ti­ker

Eine wich­ti­ge Bemer­kung vor­weg: Grund­sätz­lich soll­ten Sta­ti­ker nicht mit aller Macht an der Haft­pflicht­ver­si­che­rung spa­ren. Den­noch gibt es Mög­lich­kei­ten, die Kos­ten für den Betrieb zu deckeln. Wie bei allen Tari­fen ist auch hier die wich­tigs­te Maß­nah­me der Ver­si­che­rungs­ver­gleich für Sta­ti­ker: Wel­che Leis­tun­gen wer­den gebo­ten und wie hoch sind die monat­li­chen Raten? Hin­zu kommt der übli­che Hebel des Selbst­be­halts: Je höher die­ser aus­fällt, umso güns­ti­ger die Ver­si­che­rung. Die meis­ten Ver­si­che­rer kop­peln das Ange­bot übri­gens an das Jah­res­net­to­ho­no­rar. Eine wei­te­re Mög­lich­keit für einen Rabatt ist die Mit­glied­schaft in einer Inge­nieur­kam­mer.

Wie teu­er ist die Haft­pflicht­ver­si­che­rung für Sta­ti­ker?

Was muss ein Sta­ti­ker für sei­ne Berufs­haft­pflicht zah­len? Das lässt sich lei­der nicht all­ge­mein­gül­tig sagen. Zu unter­schied­lich sind die Jah­res­ho­no­ra­re, die betreu­ten Bau­maß­nah­men und die indi­vi­du­el­len Sicher­heits­be­dürf­nis­se. Die Ver­si­che­rer geben des­halb auch nur unge­fäh­re Span­nen für die Tari­fe an. Die­se Jah­res­net­to­bei­trä­ge belau­fen sich auf etwa 1.000 bis 1.400 Euro (Annah­me: Jah­res­net­to­ho­no­rar zwi­schen 30.000 und 50.000 Euro).


Hin­weis: Wir füh­len uns bei der ERGO mit unse­rer Berufs­haft­pflicht gut ver­si­chert. Ger­ne stel­len wir unse­ren Kun­den die Deckungs­sum­men und wei­te­re Unter­la­gen auf Anfra­ge zur Ver­fü­gung.


Wir ver­wen­den Ihre Daten zur Bear­bei­tung Ihrer Anfra­ge. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen fin­den Sie in unse­rer Daten­schutz­er­klä­rung.

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