Brandschutznachweis – Eine Aufgabe für den Statiker

Brandschutznachweis vom Statiker

Vor­sor­ge vor Brän­den – die­se Auf­ga­be ist beim Neu­bau und Umbau von Häu­sern beson­ders wich­tig. Ent­spre­chend gibt es mitt­ler­wei­le eine Viel­zahl von Maß­nah­men und Anfor­de­run­gen, die bei der Pla­nung zu berück­sich­ti­gen sind. Sie wer­den unter dem Ober­be­griff kon­struk­ti­ver Brand­schutz zusam­men­ge­fasst. Was ver­birgt sich hin­ter die­sem Schlag­wort und was ist eine Brand­schutz­nach­weis? Und wer ist für die Pla­nung zustän­dig? Die Ant­wor­ten gibt es hier.

Was ist konstruktiver Brandschutz?

Der kon­struk­ti­ve Brand­schutz umfasst alle Maß­nah­men zum Schutz im Brand­fall, die im Rah­men der Pla­nung eines Baus berück­sich­tigt wer­den kön­nen. Das betrifft zum Bei­spiel die Aus­wahl und Dimen­sio­nie­rung der Mate­ria­li­en.

Beim Brand­schutz geht es nicht dar­um, das Haus unbrenn­bar zu machen. Dann dürf­ten Holz­ba­ken oder Kunst­stof­fe nicht zum Ein­satz kom­men. Ziel des Brand­schut­zes ist es statt­des­sen, dass die Kon­struk­ti­on im Fall eines Bran­des für eine bestimm­te Zeit dem Feu­er wider­steht. Die Inten­ti­on ist nahe­lie­gend: Wenn das Gebäu­de stand­hält, haben die Men­schen Zeit, sich zu ret­ten. Bes­ten­falls ist es sogar mög­lich, den Brand zu löschen und das Haus zu erhal­ten. Aus die­sem Grund ist der Brand­schutz ein wich­ti­ger Teil der Bau­pla­nung. Zu unter­schei­den ist der kon­struk­ti­ve Brand­schutz außer­dem vom orga­ni­sa­to­ri­schen (z. B. Ver­hal­tens­re­geln) und anla­gen­tech­ni­schen (z. B. Rauch­ab­zug) Brand­schutz.

Brandschutznachweis als öffentliches Interesse

In Deutsch­land wird der Brand­schutz vom Gesetz­ge­ber ver­langt, ist also kei­ne „schön-zu-haben-Opti­on“ für den Bau­herrn. Das betrifft nicht nur öffent­li­che Gebäu­de wie Schu­len, Kin­der­gär­ten oder Super­märk­te, son­dern auch pri­va­te Ein­fa­mi­li­en­häu­ser. Die jewei­li­gen Vor­ga­ben dazu sind in der Lan­des­bau­ord­nung fest­ge­schrie­ben. Weil der Schutz im Brand­fall beson­ders wich­tig ist, gibt es außer­dem ein­heit­li­che bun­des­wei­te Rege­lun­gen. Die­se fin­den sich in der Mus­ter­bau­ord­nung wie­der. Zudem gibt es mit der DIN 4102 für kon­struk­ti­ven Brand­schutz eine eige­ne Norm.

Brandschutznachweis ist Pflicht

Wer ein Haus baut oder umbaut, muss die Vor­ga­ben zum Brand­schutz ein­hal­ten. Die Kon­trol­le über­lässt der Gesetz­ge­ber jedoch nicht dem Bau­her­ren, son­dern ver­langt eine ent­spre­chen­de Absi­che­rung: den Brand­schutz­nach­weis. Er soll bele­gen, dass die bau­recht­li­chen Vor­ga­ben zum Brand­schutz ein­ge­hal­ten wur­den. Er wird im Rah­men des Geneh­mi­gungs­ver­fah­rens der Behör­de vor­ge­legt. Dabei gilt: ohne Brand­schutz­nach­weis kei­ne Bau­ge­neh­mi­gung. Aus­ge­nom­men von die­ser Rege­lung sind je nach Bun­des­land nur weni­ge ver­fah­rens­freie (ein­fa­che) Gebäu­de.

Wer erstellt den Brandschutznachweis?

Wer küm­mert sich um den Brand­schutz? Wer erbringt der Behör­de den Nach­weis über die Ein­hal­tung der bau­recht­li­chen Vor­ga­ben? Die­se und ähn­li­che Fra­gen stel­len sich vie­le zu Beginn der Pla­nungs­pha­se. Die gute Nach­richt für alle Bau­in­ter­es­sen­ten vor­ab: Der Bau­herr muss sich in der Regel um nichts davon küm­mern. Übli­cher­wei­se stammt der Brand­schutz­nach­weis vom Sta­ti­ker. Das ist sinn­voll, weil der Trag­werks­pla­ner weiß, wie die Kon­struk­ti­on beschaf­fen ist. Grund­sätz­lich ist es aber auch mög­lich, dass der Archi­tekt den Brand­schutz­nach­weis lie­fert.

Darf jeder Statiker den Brandschutznachweis aufstellen?

In Bezug auf die Fra­ge, wer den Nach­weis zum Brand­schutz auf­stel­len darf, gibt es ver­schie­de­ne Punk­te zu berück­sich­ti­gen. Zunächst ein­mal ist wich­tig, dass es sich hier­bei um Lan­des­recht han­delt. Die Rechts­la­ge hängt also vom Wohn­ort ab. Meist ist es aber so, dass der Nach­weis von einer berech­tig­ten Per­son erbracht wer­den muss. Geschieht das nicht, ist eine Prü­fung der bau­tech­ni­schen Nach­wei­se erfor­der­lich. Zudem wird nach ver­schie­de­nen Gebäu­de­klas­sen unter­schie­den. Wäh­rend für die Gebäu­de­klas­sen 1 bis 3 kaum geson­der­te Anfor­de­run­gen an den Sta­ti­ker /​ Archi­tek­ten gestellt wer­den, ist ab der Klas­se 4 eine Nach­weis­be­rech­ti­gung nötig. Die Brand­schutz­nach­wei­se für Gebäu­de­klas­se 5 und Son­der­bau­ten wer­den grund­sätz­lich von einem Sach­ver­stän­di­gen oder Prüf­in­ge­nieur geprüft.

Brandschutznachweis in der Praxis

Der Brand­schutz­nach­weis für ein Gebäu­de ent­steht übli­cher­wei­se im Rah­men der Kon­struk­ti­ons­pla­nung. Aus die­sem Grund ist es auch meist der Sta­ti­ker, der die ent­spre­chen­den Unter­la­gen anfer­tigt. Der Nach­weis wird oft in die Ein­ga­be­plä­ne inte­griert. Aller­dings muss das nicht so sein. Ins­be­son­de­re für gro­ße Bau­ten emp­fiehlt sich ein eige­nes Brand­schutz­kon­zept, wenn die­ses nicht ohne­hin vor­ge­schrie­ben ist. Dann ist der Nach­weis Teil die­ses Kon­zepts, das objekt­be­zo­gen indi­vi­du­ell erstellt wird.

Ach­tung, Unter­schied: Es ist wich­tig, den Brand­schutz­nach­weis vom Brand­schutz­kon­zept abzu­gren­zen. Letz­te­res ist umfang­rei­cher und ent­hält den kon­struk­ti­ven Brand­schutz in der Regel als Teil des Gan­zen.

Was steht im Brandschutznachweis?

Der Brand­schutz­nach­weis ent­hält ver­schie­de­ne Details zum geplan­ten Neu­bau oder Umbau. Dazu gehö­ren unter ande­rem:

  • Adres­se, Bau­herr und Bau­vor­ha­ben
  • Zuord­nung zu einer Gebäu­de­klas­se
  • Bau­zeich­nun­gen und Ent­wür­fe
  • Objekt­be­schrei­bung (inklu­si­ve Kon­struk­ti­on)

Was regelt die DIN 4102?

Für den Brand­schutz ist die DIN 4102 ein zen­tra­les Ele­ment. Sie beinhal­tet die Klas­si­fi­ka­ti­on von Bau­tei­len und Bau­stof­fen in Bezug auf ihr Brand­ver­hal­ten. Dabei wer­den die ver­schie­de­nen Mate­ria­li­en in brenn­ba­re und nicht-brenn­ba­re Werk­stof­fe unter­teilt. Die Ein­tei­lung erfolgt auf Grund­la­ge der Eigen­schaft, ob ein Bau­teil eine Brand­last (zum Bei­spiel Holz, Form­stü­cke aus PVC etc.) dar­stellt oder nicht. Im Detail unter­schei­det die DIN 4102 zwi­schen fünf Brand­schutz­klas­sen (Bei­spie­le in Klam­mern)

  • A1: nicht brenn­bar (Stein, Beton)
  • A2: nicht brenn­bar, aber mit brenn­ba­ren Antei­len (Gips­kar­ton mit geschlos­se­ner Ober­flä­che)
  • B1: schwer ent­flamm­bar (geloch­te Gips­kar­ton­plat­ten)
  • B2: nor­mal ent­flamm­bar (Holz und Holz­werk­stof­fe)
  • B3: leicht ent­flamm­bar (Stroh)

Je nach Klas­si­fi­ka­ti­on eig­nen sich nur bestimm­te Mate­ria­li­en für Kon­struk­tio­nen. Eben­so ist es mög­lich, Werk­stof­fe durch Anstri­che oder ähn­li­che Schutz­maß­nah­men taug­lich zu machen. Hin­weis zur DIN 4102: Im Zuge der Har­mo­ni­sie­rung wird die Ein­tei­lung auch nach der Euro­päi­schen Norm EN 13501 vor­ge­nom­men.

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