Brandschutzklassen der DIN 4102–1

Brandschutzklassen für die verwendeten Baustoffe

Feuer – Welchen Einfluss auf die Statik?

Für die sta­ti­sche Berech­nung von Bau­wer­ken sind die zu ver­wen­den­den Mate­ria­li­en ein bestim­men­der Fak­tor. Die­se Bau­stof­fe wer­den durch die DIN 4102–1 in Brand­schutz­klas­sen ein­ge­teilt.

Die Richt­li­ni­en der Lan­des­bau­ord­nun­gen legen fest, wel­che Bau­stoff­klas­sen in geplan­ten Kon­struk­tio­nen zur Anwen­dung kom­men. Aus die­ser Zuord­nung wie­der­um ist abzu­lei­ten, wel­che Bau­stof­fe in den ein­zel­nen Berei­chen des Bau­vor­ha­bens zu ver­wen­den sind.

Wann ist ein Brandschutznachweis /​ ein Brandschutzkonzept erforderlich?

Hit­ze­ein­wir­kung und Feu­er wir­ken sich ver­än­dernd auf die ver­wen­de­ten Bau­stof­fe aus. Das Volu­men, die Fes­tig­keit oder bei­des kön­nen die Sta­tik eines Gebäu­des mas­siv ver­än­dern. Dar­um sind bei der Pla­nung die zu ver­wen­den­den Bau­stof­fe und deren Ein­tei­lung in Klas­sen, zen­tra­le Richt­schnur, die es zu berück­sich­ti­gen gilt.

Im § 14 der gül­ti­gen Mus­ter­bau­ord­nung (MBO 2016) ist nach­zu­le­sen: „Bau­li­che Anla­gen sind so zu errich­ten, zu ändern, instand zu hal­ten, dass der Ent­ste­hung eines Bran­des und der Aus­brei­tung von Feu­er und Rauch (Brand­aus­wei­tung) vor­ge­beugt wird …“.

Damit ist klar, dass von gesetz­li­cher Sei­te zwin­gend ein Nach­weis über die Anfor­de­run­gen des Brand­schut­zes und deren Ein­hal­tung zu erbrin­gen ist.

Abhän­gig von der Grö­ße des Bau­vor­ha­bens ist ein Brand­schutz­nach­weis (Wohn­häu­ser, Pen­sio­nen, klei­ne Indus­trie­bau­ten) oder ein umfas­sen­des Brand­schutz­kon­zept zu erstel­len.

Welche Brandschutzklassen entsprechen der Norm DIN 4102–1?

Die Norm regelt das „Brand­ver­hal­ten von Bau­stof­fen und Bau­tei­len“ und legt in einer zwei­stu­fi­gen Ein­tei­lung die Zuord­nung zu „nicht brenn­bar (A1 und A2)“ und „brenn­bar (B1 bis B3)“ fest.

Bau­stof­fe der Klas­se „A“ dür­fen nicht ent­zünd­lich sein (kei­ne Brand­last dar­stel­len), ver­än­dern sich jedoch unter Hit­ze­ein­wir­kung hin­sicht­lich des Volu­mens und der Fes­tig­keit.

Die brenn­ba­ren Stof­fe unter­schei­den sich nach dem grund­sätz­li­chen Brand­ver­hal­ten und der Zeit, die es braucht, damit sie zu bren­nen begin­nen. Aus­zug aus der Norm:

  • Klas­se A1 – bren­nen und trop­fen nicht, ent­wi­ckeln kei­nen Rauch, z. B.: Zement, Stahl-Beton, Glas, Zie­gel, Sand, Mine­ral­fa­sern ohne orga­ni­sche Zusät­ze.
  • Klas­se A2 – ent­hal­ten gewis­se Antei­le brenn­ba­rer Bestand­tei­le, gel­ten aber selbst als nicht brenn­bar, kein Rauch, kein Abtrop­fen, z. B.: Gips­kar­ton­plat­ten (geschlos­se­ne Ober­flä­che).
  • Klas­se B1 – schwer ent­flamm­bar, bren­nen nicht selb­stän­dig wei­ter, z. B.: Gips­kar­ton­plat­ten (geloch­te Ober­flä­che), Wär­me­dämm­putz-Sys­te­me nach DIN 18550–3.
  • Klas­se B2 – nor­mal ent­flamm­bar, z. B.: PVC, Holz- und Holz­werk­stof­fe. Es ist die Klas­se, die in allen Gebäu­den als Min­dest­an­for­de­rung zum Tra­gen kommt.
  • Klas­se B3 – leicht ent­flamm­bar, z. B.: Papier, Stroh, Schaum­kunst­stof­fe. Sie sind nur im Ver­bund mit ande­ren Bau­stof­fen ein­zu­bau­en, sodass sie als nicht mehr leicht ent­flamm­bar gel­ten.

Hin­weis: Par­al­lel zu den natio­na­len Bestim­mun­gen regelt die Euro­päi­sche Norm 13501–1 die Bau­stoff­klas­sen von A bis F und klas­si­fi­ziert zusätz­lich das Rauch­ver­hal­ten und das „bren­nen­de Abtrop­fen“.

Wie hängen Brandschutz und Statik zusammen?

Wie sich Bau­stof­fe bei einem Brand ver­hal­ten, hat wesent­li­chen Ein­fluss dar­auf, wie sich die Gebäu­de­sta­tik durch die Ein­wir­kung des Feu­ers ver­än­dert. Dar­um sind bereits bei der Pla­nung die vor­beu­gen­den Maß­nah­men für den Brand­schutz ein zen­tra­les The­ma:

  • Wie hoch ist der Feu­er­wi­der­stand der Bau­tei­le und Kom­po­nen­ten?
  • In wel­che Brand­ab­schnit­te ist das Gebäu­de unter­teilt (Brand­wän­de, Brand­schutz­tü­ren)?
  • Wel­che Flucht­we­ge sind zu pla­nen?
  • Wie erfolgt die akti­ve Brand­be­kämp­fung (Sprink­ler­an­la­gen, etc.)?

Die Las­ten, die im Fal­le eines Bran­des auf das Bau­werk ein­wir­ken sind viel­fäl­tig. Neben dem eige­nen Gewicht sind noch vie­le Fak­to­ren zu berück­sich­ti­gen, bspw.:

  • Wel­che sta­ti­schen Aus­wir­kun­gen sind bei Ein­sturz ein­zel­ner Gebäu­de­tei­le wahr­schein­lich?
  • Mit wel­chen Schwin­gun­gen und Vibra­tio­nen ist zu rech­nen?
  • Wie wirkt sich der Was­ser­druck aus?
  • Was pas­siert, wenn vie­le Fahr­zeu­ge aus Gara­gen oder Park­decks das Gebäu­de gemein­sam ver­las­sen?

Die Bau­phy­sik und die erfor­der­li­chen sta­ti­schen Berech­nun­gen ken­nen wahr­schein­lich noch eine gan­ze Rei­he mehr an Gefähr­dun­gen, die bereits in der Pla­nung berück­sich­tigt wer­den müs­sen.

Zusammenfassung und Fazit: Brandschutzklassen und Brandschutznachweis

In nahe­zu allen Bau­vor­ha­ben, ob Neu­bau, Aus- oder Umbau sind eine Men­ge von Fak­to­ren zu berück­sich­ti­gen, die mit Bau­phy­sik und Sta­tik in kor­re­spon­die­ren­dem Zusam­men­hang ste­hen. Die Maß­nah­men zum vor­beu­gen­den Brand­schutz neh­men dabei eine tra­gen­de Rol­le ein, denn sie bestim­men maß­geb­lich die Art und Ver­wen­dung des Mate­ri­als, das in dem Bau­vor­ha­ben ver­ar­bei­tet und ein­ge­baut wird.

Brand­schutz­nach­wei­se und ‑kon­zep­te beru­hen auf den gesetz­li­chen Grund­la­gen der Mus­ter­bau­ord­nun­gen (MBO) und den Lan­des­bau­ord­nun­gen (LBO).

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