Bau­un­ter­la­gen vom Archi­tek­ten oder Sta­ti­ker?

Bauunterlagen vom Architekten oder Statiker

Papier­krieg – ein Wort, das Sie neu defi­nie­ren, wenn Sie einen Bau­an­trag ein­rei­chen wol­len. Dazu brau­chen Sie etli­che Doku­men­te und der Laie steht meist rat­los vor den gewünsch­ten Anfor­de­run­gen. Dann brau­chen Sie einen Pro­fi an Ihrer Sei­te. Die nöti­gen Bau­un­ter­la­gen erhal­ten Sie vom Archi­tek­ten oder Sta­ti­ker. Sie haben die freie Wahl, doch der­je­ni­ge muss eine Bau­vor­la­ge­be­rech­ti­gung besit­zen.

Bau­un­ter­la­gen kom­plett vom Sta­ti­ker

Gene­rell ist es in Deutsch­land so gere­gelt, dass der Archi­tekt die Bau­plä­ne fer­tigt und der Bau­in­ge­nieur für die Sta­tik zustän­dig ist. Das ist inso­weit kein schlech­ter Ansatz, da sich jeder mit sei­nem Spe­zi­al­ge­biet befasst. Es gibt jedoch auch Sta­ti­ker, die Bau­plä­ne fer­ti­gen und sich gleich­zei­tig um die Trag­fä­hig­keit des Gebäu­des küm­mern.

Sie kön­nen einem Sta­ti­ker den kom­plet­ten Auf­trag für die Erstel­lung aller Bau­un­ter­la­gen ertei­len. Er muss aller­dings bau­vor­la­ge­be­rech­tigt sein. Ein Sta­ti­ker ist nicht wie der Archi­tekt auto­ma­tisch bau­vor­la­ge­be­rech­tigt.

Vor­aus­set­zun­gen für die Bau­vor­la­ge­be­rech­ti­gung eines Inge­nieurs

  • Inge­nieur nach dem Inge­nieur­ge­setz – drei­jäh­ri­ges tech­ni­sches Stu­di­um oder berufs­qua­li­fi­zie­ren­der Hoch­schul­ab­schluss der Fach­rich­tung Hoch­bau
  • zwei­jäh­ri­ge prak­ti­sche Erfah­rung (Ent­wurfs­pla­nung von Gebäu­den)
  • Ein­trag in der Lis­te der bau­vor­la­ge­be­rech­tig­ten Inge­nieu­re (ist abhän­gig von den Bau­ord­nungs­ge­set­zen der Län­der) – bei­spiels­wei­se in Bay­ern ent­schei­det über den Ein­trag der Ein­tra­gungs­aus­schuss der Baye­ri­schen Inge­nieu­re­kam­mer-Bau

Um Ihnen also alle Unter­la­gen für den Bau­an­trag vor­zu­be­rei­ten, muss der Sta­ti­ker Erfah­run­gen im Bereich der Ent­wurfs­pla­nung nach­wei­sen kön­nen. Da das Bau­recht immer Län­der­sa­che ist, soll­ten Sie sich vor­ab bei der Geneh­mi­gungs­be­hör­de über die Anfor­de­run­gen für einen Bau­an­trag infor­mie­ren.

Bau­un­ter­la­gen vom Archi­tek­ten und vom Sta­ti­ker

In der Regel wer­den die Bau­un­ter­la­gen vom Archi­tek­ten in Koope­ra­ti­on mit dem Sta­ti­ker bereit­ge­stellt. In der nach­fol­gen­den Über­sicht sehen Sie, wel­che Unter­la­gen Sie brau­chen und von wem sie die­se erhal­ten.

Amt­li­cher Lage­plan

Den amt­li­chen Lage­plan for­dern Sie oder der Archi­tekt beim Ver­mes­sungs­amt an oder Sie beauf­tra­gen einen öffent­lich bestell­ten Ver­mes­sungs­in­ge­nieur. Laut gel­ten­der Bau­ord­nung ist der Lage­plan ein fes­ter Bestand­teil von jedem Bau­an­trag. Als effi­zi­en­tes Werk­zeug ver­mit­telt er der Bau­auf­sichts­be­hör­de einen ers­ten Gesamt­über­blick, wonach eine grund­sätz­li­che Beur­tei­lung des Bau­vor­ha­bens mög­lich ist. Im Lage­plan sehen Sie die tat­säch­li­chen Grund­stücks­gren­zen, die rechts­ver­bind­lich sind. Er bil­det die Grund­la­ge für die Erstel­lung der wei­te­ren Plä­ne wie den Außen­an­la­gen­plan und den Grund­stücks­ent­wäs­se­rungs­plan. Je nach Bun­des­land kos­tet in der Regel ein amt­li­cher Lage­plan zwi­schen 30 und 150 Euro.

Berech­nung Wohn- und Nutz­flä­che

Die Berech­nung der Wohn- und Nutz­flä­che gehört eben­falls zu den gefor­der­ten Unter­la­gen des Bau­an­tra­ges. Sie wird meist von einem Archi­tek­ten erstellt. Die­se Berech­nung zeigt Ihnen genau, wie groß der Wohn­raum ist. Die Wohn­flä­chen­ver­ord­nung regelt, wel­che Grund­flä­chen in die Wohn­flä­chen­be­rech­nung ein­flie­ßen. Die Nutz­flä­che umfasst bei­spiels­wei­se Ihren Vor­rats­raum im Kel­ler. Grund­sätz­lich ist die Berech­nung der Wohn- und Nutz­flä­che eine kom­ple­xe Ange­le­gen­heit. Eini­ge Flä­chen wer­den sowohl dem Wohn­raum, als auch der Nutz­flä­che zuge­ord­net. Nicht zu ver­ges­sen die Ver­kehrs­flä­chen wie Flu­re oder Trep­pen­auf­gän­ge. Die­se Berech­nun­gen soll­ten Sie einem Pro­fi wie dem Archi­tek­ten über­las­sen.

Bau­zeich­nung

Nach den vor­han­de­nen Nor­men wird die Bau­zeich­nung für Ihr Bau­vor­ha­ben erstellt. Sie ist eben­falls fest im Bau­an­trag inte­griert und wird in der Regel vom Archi­tek­ten ange­fer­tigt. Im Maß­stab 1:100 laut § 4 Bau­Prüf­VO wer­den Grund­riss, Ansich­ten, Bema­ßun­gen und Schnit­te in die Bau­zeich­nung ein­ge­tra­gen. Für das von Ihnen beauf­trag­te Bau­un­ter­neh­men ist die Bau­zeich­nung unver­zicht­bar, denn dar­in sind die räum­li­chen Aus­ma­ße und alle Mate­ria­li­en ent­hal­ten. Die genau­en Maße der Bau­tei­le sehen Sie eben­falls in die­ser Zeich­nung. Bei Umbau­ten ist genau ersicht­lich, wel­che Bau­tei­le neu gebaut, wel­che geän­dert wer­den und wel­che erhal­ten blei­ben.

Berech­nun­gen zum umbau­ten Wohn­raum

Eben­falls in den Bau­an­trag gehö­ren die Berech­nun­gen zum umbau­ten Wohn­raum. Sie ist in der DIN 277 gere­gelt und wird heu­te als Brut­to-Raum­in­halt bezeich­net. Auch die­se Auf­ga­be über­nimmt in der Regel Ihr beauf­trag­ter Archi­tekt. Für Ihre Bau­fi­nan­zie­rung ist die­se Berech­nung ein wich­ti­ger Fak­tor. Das Ergeb­nis des umbau­ten Rau­mes wird dafür gebraucht, um die Bau­kos­ten für Ihr Pro­jekt zu ermit­teln. Nach die­sem Wert wer­den die Bau­ge­neh­mi­gungs­kos­ten und die Gebüh­ren für die Sta­tik errech­net.

Sta­tik

Die­sen Teil des Bau­an­tra­ges kann nur der Sta­ti­ker erle­di­gen. Ob eine Sta­tik erfor­der­lich ist, regelt die Bau­ver­ord­nung der ein­zel­nen Län­der. Egal, ob eine Sta­tik gefor­dert ist oder nicht, sinn­voll ist sie in jedem Fall. Aus der Bau­be­schrei­bung des Archi­tek­ten ent­nimmt der Trag­werks­pla­ner die erfor­der­li­chen Daten für sei­ne Berech­nun­gen. Mit der Sta­tik für Ihr Haus erhal­ten Sie ein hohes Sicher­heits­ni­veau, egal ob Sie ein Ein­fa­mi­li­en­haus bau­en wol­len oder den Umbau eines älte­ren Hau­ses geplant haben. Mehr zum The­ma Sta­tik kön­nen Sie in unse­ren ande­ren Fach­ar­ti­keln nach­le­sen.

Bau­be­schrei­bung

Eine aus­führ­li­che Bau­be­schrei­bung ist eben­falls im Bau­an­trag ent­hal­ten. Sie wird von Archi­tek­ten und Bau­in­ge­nieu­ren erstellt. In der Bau­be­schrei­bung lesen Sie den genau­en Leis­tungs­um­fang Ihres Bau­vor­ha­bens und alle Leis­tun­gen. Unter vie­len ande­ren Punk­ten wird hier der Bau­ab­lauf fest­ge­legt, der kon­struk­ti­ve Auf­bau beschrie­ben und die Absi­che­rung der Bau­stel­le defi­niert. Eben­so ist ersicht­lich wie das Gebäu­de grund­sätz­lich kon­stru­iert ist. Bei­spiels­wei­se, ob das Objekt ein Mas­siv­haus- oder ein Fer­tig­haus ist. Genau­so gehört in die Bau­be­schrei­bung, mit wel­chem Dach das Haus gebaut wird und wel­che Haus­tech­nik für den ange­neh­men Wohn­kom­fort sorgt. Ihre Bau­be­schrei­bung soll­te so aus­führ­lich wie mög­lich erstellt wer­den, damit es spä­ter kei­ne bösen Über­ra­schun­gen gibt.

Ent­wäs­se­rungs­plä­ne

Wenn Sie bei Ihrem Neu­bau eine neue Ent­wäs­se­rungs­an­la­ge benö­ti­gen oder bei einem Umbau eine bestehen­de geän­dert wer­den soll, dann benö­ti­gen Sie fach­ge­rech­te Ent­wäs­se­rungs­plä­ne. Sie wer­den meist vom Archi­tek­ten und einem Fach­pla­ner oder einem Inge­nieur­bü­ro erstellt. Als Haus­ei­gen­tü­mer sind Sie zum Anschluss an die öffent­li­che Kana­li­sa­ti­on ver­pflich­tet. In den Sat­zun­gen der Kom­mu­nen ist dies genau gere­gelt. Der Ent­wäs­se­rungs­plan wird nach DIN-Nor­men erstellt.

Nach­weis Wär­me- und Schall­schutz

Für die gefor­der­ten Bau­un­ter­la­gen benö­ti­gen Sie einen Wär­me­schutz­nach­weis nach den Maß­ga­ben der EnEV. Die­sen erhal­ten Sie von Ihrem Sta­ti­ker. Die­ser Wär­me­schutz­nach­weis soll sicher­stel­len, dass Sie in einem gesun­den Wohn­kli­ma woh­nen. Eben­so soll die Pri­mär­ener­gie ein­ge­spart und die Bau­kon­struk­ti­on vor Feuch­te­schä­den geschützt wer­den.

Lärm macht krank und eine ruhi­ge Woh­nung sichert Ihnen Lebens­qua­li­tät. Den Schall­schutz­nach­weis nach DIN 4109 erhal­ten Sie eben­falls von Ihrem Sta­ti­ker.

Oben ange­führ­te Unter­la­gen benö­ti­gen Sie, damit Ihr Bau­an­trag bei der Bau­auf­sichts­be­hör­de schnellst­mög­lich und ohne Pro­ble­me geneh­migt wird. Ob Sie die­se Auf­ga­ben allei­ne in die Hän­de eines Sta­ti­kers legen oder ob Sie die Arbei­ten zwi­schen Archi­tek­ten und Sta­ti­ker split­ten, liegt allei­ne bei Ihnen.

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